Wer das Jetzt nicht annimmt, kann das Morgen nicht ändern
Ich erwische mich manchmal dabei, wie ich mit dem Kopf ganz woanders bin. In einem Gespräch von gestern. Oder auch in einer Sorge von morgen. Im Jetzt bin ich dabei nicht wirklich.
Im Hier und Jetzt zu sein – das klingt eigentlich so einfach. Ist es aber nicht, wie ich erfahren habe.
Denn unsere Gedanken sind oftmals „geübte Zeitreisende“. Sie zieht es in die Vergangenheit – zu dem, was war, was hätte anders sein sollen. Oder in die Zukunft – zu dem, was noch kommen muss, was wir uns wünschen, was wir erwarten.
Und dabei findet das Leben immer nur genau hier, in diesem einen Moment, statt.
Was mir geholfen hat, mich bewusster im Hier und Jetzt zu verankern?
Es ist vor allem die Natur, die mir zeigt, wie das geht. Ich verbringe gerne viel Zeit in der Natur, besonders wenn ich merke: Ich bin nicht wirklich da. Abwesend. In Gedanken wieder einmal unterwegs. Ich bin nicht wirklich in mir, sondern neben mir.
Was sie mich lehrt: einfach da zu sein. Ohne Kommentar. Und das ist auch Akzeptanz.
Nicht Resignation – das ist ein Unterschied, den ich lange nicht verstanden habe. Akzeptanz heißt: Ich schaue hin, was gerade ist. Ich nehme es als die momentane Realität an und ganz wichtig: Ich lehne mich nicht dagegen auf – oder versuche es zumindest nicht zu tun.
Und genau in diesem Moment entsteht Raum.
Raum für Klarheit. Für den nächsten kleinen Schritt – nicht für das große Gebilde namens Zukunft, von dem ich noch gar nicht weiß, wie es sich gestaltet. Raum für die vielen kleinen Veränderungen. Schritt für Schritt.
Und weil ich meistens nur diesen einen Schritt sehen muss und nicht alle weiteren, hilft mir Gelassenheit. Nicht als Gleichgültigkeit, sondern als Vertrauen. Vertrauen, dass sich alles fügt.
Denn eines beginne ich zu verstehen: Wer das Jetzt nicht annimmt, kann das Morgen nicht ändern.
Das klingt paradox. Aber ich glaube, es stimmt.
Denn Veränderung beginnt nicht mit Flucht aus dem Moment – sie beginnt mit dem ehrlichen Blick auf ihn.
Einfach so, wie er ist. Und dann kann ich jeden Moment wählen.
Und das ist eine Entscheidung. Immer wieder von Neuem.
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